Zwischen unendlichen Weiten – und Euphorie und Verzweiflung

Zwischen unendlichen Weiten – und Euphorie und Verzweiflung

Ein Beitrag von Leon Lerman

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„U Are the Universe“, Ukraine 2024

Regie: Pawlo Ostrikow
Bildquelle: ©Drop-Out Cinema eG

„Der Job ist soweit in Ordnung. Es sind zwei Jahre hin und zwei Jahre zurück. Ich hänge im Weltraum ab und werde dafür bezahlt.“ Das ist die Jobbeschreibung des ukrainischen Raumfernfahrers Andriy Melnyk (Wolodymyr Krawtschuk). In nicht allzu ferner Zukunft lebt und arbeitet er allein an Bord des Raumschiffs „Obriy“ und fliegt Atommüll von der Erde zum Jupitermond Kallisto. Seine einzige Gesellschaft besteht in dem einarmigen Bordroboter Maxim (gesprochen von Leonid Popadko), der versucht, seinen „Andrukha“ mit mehr oder weniger guten Witzen bei Laune zu halten, wobei Andriy ihn mehr als eine Nervensäge wahrnimmt. Da Andriy bei seiner letzten Ladung nachlässig war, droht ihm zurück auf der Erde die Kündigung. Dieses Problem löst sich jedoch von allein: Die Erde explodiert und plötzlich ist Andriy der letzte Vertreter seiner Spezies. Mit einem Essensvorrat, der für 16 Monate reicht, treibt er nun allein und antriebslos im Weltall. Bis er überraschend einen Funkspruch der französischen Meteorologin Catherine (gesprochen von Alexia Depicker und gespielt von Daria Plahtiy) empfängt, die ebenfalls die letzte Überlebende der den Saturn umkreisenden Raumstation „La Place“ ist. Er nimmt Kontakt mit ihr auf und fasst einen Entschluss: Er muss sie treffen.

Im Debüt-Spielfilm „U Are the Universe” von Pawlo Ostrikow geht es um Einsamkeit und das Bedürfnis nach menschlicher Nähe, selbst wenn Millionen von Kilometern sie trennen. Auch wenn der Roboter Maxim ihm energisch davon abrät, macht sich Andriy auf den gefährlichen Weg durch das Sonnensystem. Währenddessen kommuniziert er durch zeitverzögerte Funknachrichten mit Catherine und mit der Zeit kommen sich die beiden näher.

Filmproduktion in Kriegszeiten

Die Produktion von „U Are The Universe”, war genauso mit einigen Anstrengungen verbunden. Glücklicherweise waren große Teile des Films schon vor Beginn der vollumfänglichen Invasion 2022 fertiggestellt. Trotzdem erschwerten wiederholte russische Angriffe die Energieversorgung sowie die Dreharbeiten, sodass zum Beispiel die Rolle der Catherine neu besetzt werden musste. Daneben dienten viele Mitglieder der Filmcrew in der ukrainischen Armee. So musste etwa der Hauptdarsteller Krawtschuk in den ersten Tagen des Krieges zur ukrainischen Armee und musste von der Front freigestellt werden, um die letzten Szenen filmen zu können. Ob der Film tatsächlich fertig werden konnte, war lange nicht klar. 

Der Regisseur Ostrikow stürzte zum Ende der Produktion in eine Depression. Während seine Kollegen ihre Filme, die ebenso vor der Invasion gedreht wurden, veröffentlichen konnten, hing sein Projekt jahrelang in der Schwebe.

Zwischen Planeten und zwischen Genres

Sein Debütfilm, der die Grenzen zwischen Science-Fiction, Komödie und Melodrama verschwimmen lässt, ist in jedem Fall mindestens ein eindrucksvoller Film. Mit einem verhältnismäßig geringen Budget von rund einer Million US-Dollar wurde trotzdem ein Streifen geschaffen, der mit seinem realistischen Set-Design und CGI besticht. Andriys Reise zu Catherine wird anschaulich erzählt, der Zuschauer folgt dem Weltraumlieferanten auf Schritt und Tritt in der ohnehin engen Raumstation. Insbesondere hier ist Krawtschuks Schauspielleistung hervorzuheben. Man fühlt mit ihm mit, sei es, wenn er wegen der Belastung vor Verzweiflung zusammenbricht, weint und schreit – oder wenn er vor Euphorie über das gerade überlebte Raumfahrtmanöver Maxim dazu auffordert, sein Geburtstagsgeschenk verfrüht herauszugeben. In solchen Momenten wird der ironische Humor des Films deutlich: So wird dem Protagonisten dieser Robinsonade eine ukrainische Ausgabe des Literaturklassikers herausgegeben, was Andriy zumindest ein spöttisches Lachen entlockt. Außerdem finden sich im Film diverse parodistische Anspielungen auf bekannte Vertreter des Science-Fiction-Genres.

Kritikwürdig ist an dem Film die Erzählgeschwindigkeit, durch welche sich der Film streckenweise etwas zieht. Gerade der letzte Akt der Geschichte fühlt sich damit etwas langgezogen an, obwohl durch verschiedene Wendungen die Spannung aufrechterhalten wird. Trotz alledem ist diese ukrainische Antwort auf Werke wie „2001: Odyssee im Weltraum“ in jedem Fall ein sehenswerter Film, der unterhält und zugleich nachdenklich macht.

„U Are the Universe“ wird noch am 13.11. und am 29.11. auf Deutsch im Zeiss-Großplanetarium in Berlin gezeigt. Am 20.11., 21.11., und 23.11. wird er auf Ukrainisch mit deutschen Untertiteln im Kino Brotfabrik in Berlin vorgeführt.

Bewertung: 8/10

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