Der Briefkasten quillt erneut mit Werbeprospekten über. Edeka, Lidl, Aldi, Kaufland und viele andere stopfen jede Woche unzählige Heftchen in den Briefkasten. Doch blättert man ernsthaft durch die Broschüren und markiert sich die Angebote? Ein kurzer Blick, dann wandert der Papierberg meist ungelesen direkt in den Müll, wenn man wirklich ehrlich ist.
Anstatt über diesen Kreislauf, wie so viele, nur den Kopf zu schütteln, wollten zwei Jungs aus Berlin diesem Paper-Waste ein Ende setzen. Die Mission war also klar: Wie kann man das Leben der Menschen vereinfachen und trotzdem den einen oder anderen Cent sparen? Mit einer App! Das Prinzip ist einfach: Wähle einen Supermarkt in deiner Nähe aus, markiere dir das Produkt und erhalte eine Push-Benachrichtigung, sobald dein Kaffee oder die Lieblingsnudeln im Angebot sind. So funktioniert die „Sparkules Spar-App“.
Über die Anfänge, Herausforderungen und die Bedeutung des besonderen Namens sprach die SpeakUP mit einem der Gründer der App, David Schultz.
Vom Uni-Projekt zur eigenen App
Die Geschichte von Sparkules begann dort, wo Erfindergeist und Kreativität aufeinandertreffen: in einem Gründungswettbewerb an der Uni. Ursprünglich wollte David mit einer siebenköpfigen Gruppe Kassenbons digitalisieren, um die Papierverschwendung an der Kasse zu vermeiden. Doch aus zeitlichen Gründen wurde das Projekt vorzeitig beendet. „Die Gruppe hat sich ziemlich schnell getrennt“, erinnert sich David.
Was aber blieb, war der brennende Wille etwas zu verändern. Die Wende kam durch einen Schulfreund. Gemeinsam mit William, der seit Schulzeiten programmiert, wurde die Idee recycelt und der erste Prototyp binnen weniger Tage entwickelt. Sie merkten schnell, dass die Digitalisierung von Kassenbons rechtlich und technisch schwer umsetzbar ist und so musste eine neue Idee entwickelt werden. Denn das Thema Paper-Waste stand aber immernoch auf der Agenda. „Denn wir wollten nicht wie Oma und Opa sonntags Stunden mit den Heften verbringen und die Angebote markieren und ausschneiden.“
Die Lösung war so simpel wie genial: ein smarter Alarm, der eine Push-Benachrichtigung schickt, sobald das Lieblingsprodukt – sei es der Lieblingskaffee oder der Joghurt in der Nähe im Angebot ist.
Sparkules: Der Name ist Programm
Der Name ist eine bewusste Wortneuschöpfung aus „Sparen“ und „Herkules“. Diese Mischung spiegelt das Motto der App wider. Als „smarter und starker Einkaufbegleiter“ soll sie überteuerte Einkäufe verhindern und gleichzeitig Tipps und Tricks sowie interessante Kochrezepte an die Hand geben. Als Ergänzung zu den üblichen Supermarkt-Apps bietet Sparkules an gerade „das Eine“- Produkt, herauskristallisieren. Denn jeder hat einen „Backupmarkt“, in den man nur für diesen einen speziellen Joghurt geht.
Das Konzept geht dabei voll auf: Über 40.000 monatliche Nutzer zählt die App mittlerweile und entgegen ihrer Erwartung sind es nicht nur zeitgestresste Studierende, sondern vor allem die ältere Generation, die neben dem wöchentlichen Prospekt-Ritual den digitalen Doublecheck vollziehen.
Selbst und ständig
Wer glaubt das Leben als Geschäftsführer sei nur Kaffee trinken und Networking, den holt David schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Die sichere Perspektive als Banker gab er für den Sprung in den kalten Ozean der Selbstständigkeit auf. „Wenn du nicht performst, dann performt die Company nicht. Das heißt, du läufst eigentlich permanent vor dem Tod weg“, beschreibt er den Druck.
Eine harte Zeit, in der das Berufs- und Privatleben fast vollständig miteinander verschmelzen und erholsamer Schlaf zum Luxusgut wird. Es braucht Zeit und Geduld, um eine Trennung zwischen diesen Welten zu erreichen. Nichtsdestotrotz geht es David um echte Anliegen und echte Probleme. „Wenn du dich mit dem Problem identifizieren kannst und diese lösen willst, dann würde ich das immer wieder angehen!“, beteuert David.
Zur Vorbereitung auf das Berufsleben hat auch die universitäre Ausbildung ein Stück weit beigetragen – einerseits durch die Fähigkeit zu erlernen, wie man lernt, und andererseits durch die Entwicklung kreativer Lösungen für unbekannte Probleme. „Ein Netzwerk unter Gleichgesinnten aufzubauen ist aber das Wichtigste!“, betont David.
Um im Berufsleben klarzukommen, müsse man zudem wissensdurstig sein und den Willen haben, sich ständig weiterzuentwickeln. Auf die Frage, was man als Gründer noch mitbringen muss, antwortet David bestimmt: „Du musst eine Kämpfer-Mentalität aufweisen. Denn du bekommst ständig auf den Deckel. Dabei musst du mit Druck und Stress umgehen können sowie mit Kritik und Zurückweisung. Es kommt immer darauf an, dass du wieder aufstehst!“. Dabei ist auch der Umgang mit Fehlern essenziell: „Es geht gar nicht, keine Fehler zu machen! Gründen ist mit einem gewissen Risiko verbunden und da gehören Fehler zwangsweise dazu. Wichtig ist nur, dass man Fehler nicht zweimal macht“.
Mensch oder Maschine?
Nicht zuletzt ging es in dem Gespräch auch um die Nutzung und Entwicklung von KI. Das künstliche Intelligenz mittlerweile ein täglicher Begleiter geworden ist, dürfte jedem klar geworden sein. Allerdings stellt sich auch die Frage, ob KI in Zukunft gewisse Jobs von Menschen übernehmen kann.
Es geht um die Frage von Kosteneffizienz. Lohnt es sich eine Person einzustellen bei einem Job, den die KI schneller und einfacher erledigen kann? Für David ist KI eine Chance, kein Job-Killer, sofern man lernt, sie richtig anzuwenden. Er rät jedem Studierenden offen für diese technologische Veränderung zu sein, da sie heute unersetzlich sei.
Der Alltag: strukturiert, unstrukturiert!
Mittlerweile kann David die Trennung zwischen Beruf und Privatleben besser meistern. Nichtsdestotrotz sind gewisse Gewohnheiten unerlässlich. „Ich schaue, dass ich mindestens 8 Stunden schlafe, um nicht wie ein Zombie auszusehen.“ Allerdings ist sein Alltag auch von Meetings und Calls mit Geschäftspartnern geprägt, für die er auch mal quer durch Deutschland reist. Erholung ist neben der Arbeit mindestens genauso wichtig. Denn ohne Pausen wird die Produktivität nicht besser, sondern sogar schlechter – am Ende geht es nur noch bergab.
Die Mischung aus Büro-Vibe und Homeoffice macht’s
Ein zentraler Punkt in Davids Arbeitswelt ist die Balance zwischen Remote-Work und echter Office-Kultur. Er schätzt das Homeoffice als „gigantischen gesellschaftlichen Fortschritt“, um eine bessere Work-Life-Balance zu schaffen, Anfahrtswege zu sparen und Flexibilität für Termine zu gewinnen.
Dennoch warnt David davor den persönlichen Austausch zu vernachlässigen. Während der Corona-Zeit beobachtete er, wie Teams „auseinandergedriftet“ sind. Er ist überzeugt, dass wir Menschen teilweise verlernt haben, sozial zu interagieren, obwohl darauf fast alles basiert, was wir geschaffen haben.
Für David ist das Büro deshalb unverzichtbar: „Beim Coffee Chat kommen manchmal die geilsten Ideen, die ein Unternehmen voranbringen“. Sein Ziel ist eine Kultur, die Menschen dazu motiviert, für den Austausch ins Büro zu kommen und Bindungen aufzubauen, während sie gleichzeitig die Freiheit des flexiblen Arbeitens behalten.
Einfach machen – Ein Appell an alle Studis
Zum Abschluss gibt David allen, die selbst mit einer Gründungsidee liebäugeln, einen klaren Rat mit auf den Weg: „Einfach machen!“. Man solle sich trauen, Ideen anzugehen, ohne zu viel über das Scheitern nachzudenken. „Viele scheitern, weil sie nicht einmal begonnen haben. Ihr seid alle jung und habt kein größeres Risiko, keine Familie, die ihr versorgen müsst.“, betont er.
Sein größtes Anliegen ist es, dass Studierende ihren eigenen Weg finden, statt nur aus gesellschaftlicher Erwartung einen Karriereweg einzuschlagen, der sie unglücklich macht. „Probiert alles aus! Am Ende wird es anders, als man sich das vorstellt. “, so sein optimistisches Schlusswort.

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