Brauhausberg, Voltaire-Preis und Gleichstellung: Der Neujahrsempfang am Griebnitzsee 

Brauhausberg, Voltaire-Preis und Gleichstellung: Der Neujahrsempfang am Griebnitzsee 

Ein Beitrag von Paula Schick

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Sekt, Jazzklänge und die goldene Amtskette: Am Mittwoch lud der Präsident der Universität, Dr. Oliver Günther, zum alljährlichen Neujahrsempfang ein. Zu Gast waren nicht nur Mitarbeitende der Universität Potsdam, sondern auch diplomatische Freund:innen der Universität wie der mongolische Botschafter, Vertreter:innen von Partneruniversitäten, politische Beamte und eine Vertreterin der Friede-Springer-Stiftung. 

Neben der Reflexion des vergangenen Jahres, weltpolitisch wie universitär, stand an diesem Abend auch die Verleihung mehrerer Preise auf der Tagesordnung. 

Verleihung des Voltaire-Preises

Der wohl bekannteste Preis, der mit 5000 € dotierte Voltaire-Preis, wurde an den Migrationsforscher Dr. Haci Cevik vergeben, der mittlerweile an der Humboldt-Universität in Berlin als Teil des Berlin Institute for Empirical Integration and Migration Research (BIM) forscht. Diese akademische Freiheit durfte er allerdings nicht immer genießen: Cevik wurde in einem kurdischen Dorf in Zentralanatolien geboren und begann seine wissenschaftliche Karriere in der Türkei. Dort forschte er bereits zu Migrationsbewegungen der kurdischen Community und zu sozialen und politischen Auswirkungen dieser Migration. Das akademische Interesse war schon zu Beginn auch ein Weg, seine eigene Geschichte und Existenz verstehen zu lernen, erklärt er in seiner Dankesrede. 

Mit den zunehmenden autokratischen Tendenzen in der Türkei wurde Migration aber auch eine gelebte Erfahrung: Kritische Forschung, insbesondere zur kurdischen Identität, käme immer mit einem Preis, sagt er und erzählt von juristischen Problemen aufgrund seiner Arbeit und politischem Druck, der ihn aus akademischen Positionen gedrängt habe. Die Entscheidung, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen, war keine einfache. Seinen Forschungsinteressen konnte er jahrelang fast nur außerhalb des akademischen Betriebs nachgehen, während er parallel nahezu ein Jahrzehnt in anderen Jobs arbeitete. Umso mehr schätzt Cevik nun die Wertschätzung durch den Voltaire-Preis und möchte seine Arbeit im Lichte der Ideale der Aufklärung fortführen: „Reason over fear, critique over silence, and coexistence over exclusion.“ 

Universitätsinterne Preise

Dass ausländische Forschende und Studierende auch an der Universität Potsdam gut ankommen, verdankt die Universität einer weiteren Preisträgerin: Frauke Stobbe. Sie ist stellvertretende Leiterin des Welcome Centers. Ihr berufliches Engagement wurde, wie auch das der Assistentin an der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Medienpädagogik, Ina Tausche, mit einem Preis für herausragende Mitarbeitende der Universitätsverwaltung gewürdigt. Darüber hinaus wurden auch der Chemiker Dr. Johannes Gurke und die Gründer des KI-Start-Ups Sectorlens Dr. Benedict Bender, Tim Körppen und Dr. Marcel Panzer für ihr Innovationspotenzial und den Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft geehrt.

Prädikat Gleichstellungsstarke Hochschule

Doch auch die Universität Potsdam selbst hat allen Grund zu feiern: Bund und Länder haben die Universität im Rahmen des Professorinnenprogramms 2030 mit dem Prädikat Gleichstellungsstarke Hochschule ausgezeichnet. Belohnt werden hier besonders überzeugende Gleichstellungskonzepte. Die treibende Kraft hinter dieser Auszeichnung ist Christina Wolff, die Gleichstellungsbeauftragte der Universität. 

Das meint zumindest Prof. Dr. Barbara Höhle, die als Vizepräsidentin neben der Forschung und wissenschaftlichen Qualifizierungsphase ebenfalls Chancengleichheit an der Universität zur Aufgabe hat. Mit Wolffs Engagement habe sich ein Kulturwandel vollzogen, der glücklicherweise auch im Präsidium auf wohlwollende Reaktionen traf. In den letzten zehn Jahren sei durch ausgedehnte Programme wie Stipendien und Mentoringansätze die Frauenquote im akademischen Betrieb um 10 Prozentpunkte gestiegen. Dies sei nicht überall so, noch heute höre man an mancher Stelle „Gleichstellung und Exzellenz verträgt sich nicht.“ 

Auch Christina Wolff macht diese Erfahrungen. Im Gespräch erzählt sie von Anfeindungen, die sie auch als Vorstandsmitglied bei der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an deutschen Hochschulen immer wieder erfahren muss. Antifeministische Haltungen hätten in den letzten Jahren zugenommen und zeigten sich auch in Kampagnen gegen Wissenschaftlerinnen, wie jüngst bei der Potsdamer Juristin Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf.

Um dem entgegenzutreten, setzt sie auf Aufklärungsarbeit, „manchmal auch ganz platt“. Um mit Trotzreaktionen umzugehen, müsse man Themen geduldig erklären, den Menschen zuhören und auch auf verschiedene Lebensrealitäten eingehen. Wichtig sei aber trotzdem, auch hartnäckig zu bleiben und verschiedenste Kanäle mit Informationen zu bespielen. Unterstützt wird sie in ihrer Arbeit durch ihr Team und die dezentralen Gleichstellungsbeauftragten der Fakultäten.

In Potsdam hätte man das Glück, mit dem Präsidenten Dr. Oliver Günther auch Rückhalt aus dem Präsidium zu bekommen. In seiner Neujahrsansprache bekannte er sich klar zu DEI, also Diversity, Equity, and Inclusion. Dieser Gleichstellungsansatz wurde in den vergangenen Jahren unter anderem von der Trump-Regierung als „Radical And Wasteful“ diffamiert und droht auch außerhalb der USA immer weiter zum polarisierenden Politikum zu werden.

Hasso Plattner und der Umzug zum Brauhausberg

Anders als zum Teil in den vergangenen Jahren schien aber die Veranstaltung selbst wenig politisiert, trotz dessen, dass sie auch unter dem Vorzeichen des Umzugs zum Brauhausberg und der Millioneninvestition Hasso Plattners stand. Stattdessen wurde Einigkeit und gemeinsames Handeln in den Vordergrund gestellt, auch aus der Studierendenschaft. Katharina Swinka, deren Referat im Asta für das Einbringen studentischer Perspektiven in die Planung des Umzugs zuständig ist, betont, man müsse das „Mammutprojekt Brauhausberg“ möglichst konfliktgering umsetzen. Ihre Aufgabe sei es, die diversen Meinungen der Studierenden auch weiterhin abzubilden, besonders Kommunikation und Partizipation sei dabei wichtig. Um das Beste aus dem Projekt zu holen, bedürfe es gemeinsamen Handelns: Durch die Stadt, das Land, Hasso Plattner und die Studierenden. 

Nach dem offiziellen Teil klang die Veranstaltung dann noch bei Sekt und Häppchen aus.

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