Am vergangenen Samstag (24.1.2026) war das Gelände des Brauhausbergs das erste Mal seit Jahren wieder für die Potsdamer Öffentlichkeit zugänglich. Zwar blieben die Gebäude selbst geschlossen, doch allein die Öffnung des Areals zog trotz Minusgraden zahlreiche Besucher:innen an. Von einem schicken neuen vierten Campus der Uni Potsdam ist momentan noch nichts zu sehen, stattdessen steht zwischen Gebüsch und hohen Bäumen das mit Graffiti besprühte ehemalige Landtagsgebäude. Für Hintergrundinformationen lest hier unser Interview mit dem Präsidenten und Kanzler unserer Uni zum Brauhausberg und hier unseren Bericht zur Pressekonferenz, bei der das Projekt angekündigt wurde.
Begrüßung und Worte von Besitzer Kretzschmar
Nach einführenden Begrüßungsworten von Bernd Rubelt, Beigeordnetem für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, richtete sich auch der aktuelle Eigentümer des Geländes, Jan Kretzschmar, an die Besucher:innen: Nachdem 2013 der Landtag aus den Gebäuden ausgezogen sei, wären viele Projekte gescheitert. Die zwischenzeitliche Unterbringung von Flüchtlingen in den Gebäuden sei gut gewesen. Aber vor allem nach dem Brand 2023 wäre sein Eindruck gewesen, dass der Konsens in Potsdam war, dass “da doch mal was passieren muss, man müsste da mal was machen”. Nachdem lange genau das nicht passiert sei, habe er beschlossen, das Projekt selbst in die Hand zu nehmen und habe das Areal gekauft. Als dann die Hasso-Plattner-Stiftung mit der Idee eines neuen Universitätscampus an ihn herangetreten sei, sei für ihn klar gewesen: „Das war die bessere Idee.“ Luxuswohnungen zu errichten wäre einfacher gewesen, räumte Kretzschmar ein, doch einen Ort, der über Jahrzehnte von Diktaturen genutzt worden sei, in einen Ort der Bildung zu verwandeln, halte er für wichtiger.
Mit dem Hinweis, sich nur in den nicht abgesperrten Bereichen aufzuhalten, und der Bitte, sich „keinen Schnupfen zu holen“, wurde das Gelände geöffnet. An drei thematischen Stationen zu Wegeplanung, Umwelt sowie Denkmalpflege konnten sich Interessierte informieren, viele nutzten den Rundgang aber auch einfach, um sich selbst ein Bild vom Areal zu machen.
Manja Schüle zum Projekt am Brauhausberg
Unter den Besucher:innen war auch Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Sie war zwar privat, “mit meiner Familie, als Potsdamerin” da, beantwortete uns aber trotzdem ein paar Fragen.
Warum sie sich, an diesem Samstag Morgen, auf den Brauhausberg begeben hat? „Es interessiert mich – und ganz offensichtlich bin ich ja nicht die Einzige“, sagte sie mit Blick auf den großen Andrang. „Die Leute sind da, obwohl es gefühlt minus 20 Grad hat. Das zeigt, dass das ein Projekt ist, das wirklich begeistert.“ Sie habe bislang überwiegend positive Rückmeldungen über das Projekt Campus Brauhausberg gehört.
Auf die Frage, warum die Planung so zügig vorangetrieben werde und ob nicht mehr Zeit für Beteiligung nötig sei, relativierte Schüle: Bis 2035 solle das Gesamtprojekt realisiert sein – von Eile könne also nur bedingt die Rede sein. Zudem gebe es zahlreiche Beteiligungsformate, etwa Workshops der Landeshauptstadt, bei denen Bürger:innen Entwürfe einsehen und sich einbringen könnten. „Es wird nicht hinter verschlossenen Türen entschieden“, betonte sie.
Außerdem hielt sie ganz pragmatisch mit Blick auf den Zustand der Gebäude fest: „Wird das alles besser, wenn es länger reinregnet?“. Man müsse solche Projekte immer individuell betrachten, und mit einem finanzstarken Investor wie der Hasso-Plattner-Stiftung sei es eben möglich, zügig und trotzdem hochschulgerecht zu bauen.
Zum Thema studentisches Wohnen erklärte sie, dass die Wohnheime am Griebnitzsee auch weiterhin in der Zuständigkeit des Studierendenwerks blieben. Außerdem werden in den nächsten Jahren zusätzliche Studierendenwohnheime entstehen, “da bin ich sehr froh drüber, habe sehr gestritten für das Geld.” 150 Wohnheimplätze sollen auf dem Brauhausberg entstehen, in der Innenstadt 350 und 811 weitere, u.a. in Golm. Das wird sehr viel Entspannung bringen in den Wohnungsmarkt. Und das ist auch richtig so, Studierende brauchen ein Dach über dem Kopf.”
Zum Abschluss sprachen wir eine schon länger (scherzhaft) kursierende Idee an, den künftigen Campus per Seilbahn an den Hauptbahnhof anzubinden. In einem Gespräch mit anderen Besucher:innen war uns zuvor zugetragen worden, dass ein solches Vorhaben in Brandenburg mangels Landesseilbahngesetz rechtlich ohnehin nicht möglich sei. Als wir diese Einschätzung an Wissenschaftsministerin Manja Schüle weitergaben, musste sie lachen und schloss das Interview mit den Worten: „Ich glaube, das muss ich nicht kommentieren, oder?“
Stimmen der Besucher:innen
Viele Besucher:innen kamen aus den angrenzenden Wohngebieten oder sind langjährige Potsdamer:innen, die das Areal seit Jahren nicht mehr betreten haben. Vor allem ältere Potsdamer:innen und Familien mit kleinen Kindern waren anwesend, während Studierende nur vereinzelt vertreten waren.
Ein älteres Ehepaar zeigte sich begeistert von dem Projekt: „Was Besseres kann man sich nicht vorstellen. Die Attraktivität Potsdams wird eindeutig gewinnen.“ Besonders positiv bewerteten sie, dass das Gelände öffentlich nutzbar werde und keine Luxuswohnungen entstehen. Das war eine Auffassung, die viele Besucher:innen teilten: “Ich denke, das ist wirklich eine gute Lösung, dass hier oben ein Campus entsteht und kein teures Wohnen, davon brauchen wir nicht noch mehr, davon haben wir schon reichlich”, sagte uns eine Potsdamerin.
Ein weiteres Paar betonte: „Schlechter behandelt als bisher kann das Gelände ja nicht werden und Hasso Plattner macht ja einen Haufen sinnvoller Sachen.“ Dem stimmte ein Herr, der aufgrund seines historischen Interesses an dem Gelände zu der Veranstaltung gekommen war, zu: „Ich denke, man muss da einfach anerkennen, dass da jemand ist, der, wie es das ja auch in den USA viel gibt, von seinen Milliarden etwas abgeben will, um die Allgemeinheit zu unterstützen.“ Seine Frau führte weiter aus: „Gäbe es eine Alternative, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen, die so ein Projekt ermöglicht?”
Katrin Schneider, stellvertretende Leitung der Universitätsbibliothek, war vor Ort, denn auch die Bereichsbibliothek Griebnitzsee, sowie die Archivbestände, sollen an den Brauhausberg umziehen. Sie bezeichnete das Projekt als „ein Angebot, das man nicht ablehnen kann“. Zwar könne sie die Kritik an der starken Rolle privater Geldgeber nachvollziehen, zugleich sei es in Zeiten knapper öffentlicher Kassen eine große Chance. Ihr Wunsch: eine moderne Bibliothek als Arbeits- und Lernort. „Man wird gehört mit seinen Bedürfnissen“, sagte sie, räumte aber ein, dass die kurze Planungs- und Bauzeit eine Herausforderung darstelle.
Eine Gruppe Studierender war dem Projekt gegenüber eher kritisch eingestellt: „Ich finde es schwierig, dass jemand so viel Macht haben kann. Aber immerhin steckt er [Hasso Plattner] sein Geld in Bildung.“, sagte uns einer der Studierenden. Die Einbindung der Studierendenschaft hätten sie bislang allerdings kaum wahrgenommen. Ihr Wunsch für den neuen Campus? Ein ökologischer: „Dass die Bäume stehen bleiben!“
Zwischen Aufbruch und Beteiligung
Der grundlegenden Frage, unter der das Projekt steht – sollte eine Einzelperson so einen großen Einfluss auf öffentliche Projekte, vor allem auf die im Bereich der Bildung, haben? – wurde letzten Samstag am Brauhausberg vor allem mit Pragmatismus begegnet und die Potsdamer:innen, die anwesend waren, standen dem Projekt insgesamt wohlwollend gegenüber. Das macht diese Frage und viele weitere Fragen rund um den neuen Campus aber natürlich nicht weniger relevant. Die erste öffentliche Begehung des Areals war also ein weiterer Auftakt für mehr Diskussionen, Beteiligungsprozesse und einen langen Weg bis zur Realisierung des neuen Campus.

Kommentar verfassen