Rund 80 Personen demonstrieren vor Bürgerinformationsveranstaltung am Campus Griebnitzsee
„Nehmt ihr uns den Campus ab, machen wir die City platt“ und „Nie, nie, nie wieder Plattner“ – das war am Donnerstag den 29.01. vor Haus 6 am Griebnitzsee zu hören. Bevor hier erste Planungen für den neuen Campus der Universität Potsdam auf dem Brauhausberg vorgestellt wurden, versammelten sich rund 80 Menschen zu einer Demonstration gegen das Vorhaben und den wachsenden Einfluss der Hasso-Plattner-Stiftung auf die Universität. Die Demonstration richtete sich nicht nur gegen die geplante Verlagerung des Campus, sondern auch gegen die Art und Weise, wie die Planungen bislang kommuniziert und umgesetzt werden. Kritisiert wurden insbesondere der starke Einfluss eines privaten Investors, die drohende Einschränkung universitärer Freiheiten sowie die aus Sicht der Protestierenden unzureichende Einbindung von Studierenden und Öffentlichkeit.
Sorge um Meinungsfreiheit und Zugänglichkeit
Anwesende Studierende äußerten die Sorge, dass die Meinungsfreiheit an der Universität durch die stärkere Beteiligung eines privaten Akteurs beeinträchtigt werden könnte. Berichte von Freund:innen am Hasso-Plattner-Institut über Schwierigkeiten bei der Anmeldung von Demonstrationen hätten diese Befürchtungen verstärkt. Da auf dem Gelände des HPI Hausrecht gelte, bestehe die Möglichkeit, bei politischem Protest des Platzes verwiesen zu werden. Auch der geplante Standortwechsel wurde kritisch bewertet. Der Brauhausberg sei für viele Studierende, insbesondere für jene aus Berlin, deutlich schlechter erreichbar als der Campus Griebnitzsee. Zudem sei das Gelände deutlich kleiner und biete kaum Raum für studentisches Leben. Gerade vor dem Hintergrund des angespannten Wohnungsmarkts spiele studentisches Wohnen eine zentrale Rolle. Die Ankündigung, durch den neuen Campus zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, wurde daher als widersprüchlich eingeschätzt.
Ein wiederkehrendes Thema in der Debatte um den Brauhausberg ist die grundsätzliche Unterfinanzierung der Hochschulen. Auch auf der Demo wurde das wieder aufgegriffen; Zwar sei der finanzielle Druck auf die Universität real, private Spenden dürften jedoch nicht zur Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit oder zur Privatisierung öffentlichen Landes führen. Stattdessen müsse das Land Brandenburg seiner Verantwortung nachkommen und deutlich mehr Mittel für Bildung und Hochschulen bereitstellen, um die Unabhängigkeit der Universität langfristig zu sichern.
BUND: Kritik zum Umweltaspekt
Neben Studierenden beteiligten sich auch Vertreter:innen von Umweltverbänden an dem Protest. Eine Vertreterin des BUND machte im Interview auf ökologische Bedenken aufmerksam, die im bisherigen Planungsprozess aus ihrer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Prüfungen zur Umsetzbarkeit des Projekts – etwa in Bezug auf Baumfällungen, den Wasserdruck auf dem Brauhausberg oder den Schutz von Vogelarten – benötigten Zeit und Transparenz. Genau diese seien bislang nicht ausreichend gegeben. Besonders kritisierte sie die hohe Geschwindigkeit der Planungen sowie die mangelnde Beteiligung der Öffentlichkeit.
Politische Kritik an Verdrängung
Auch aus der Stadtpolitik kam Kritik an den Plänen. Anja Günther von der Linksfraktion, Mitglied im Bauausschuss, bezeichnete im Gespräch mit uns die Verdrängung als zentrales Problem des Projekts. Aus ihrer Sicht werde ein über Jahre gewachsener Hochschulstandort aufgegeben. Die Stadt Potsdam habe erhebliche Mittel in die Infrastruktur rund um den Campus Griebnitzsee investiert, etwa in die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, um den Standort attraktiv zu machen. Diese Infrastruktur fehle am Brauhausberg bislang weitgehend. Das Interesse der privaten Stiftung an dem Gelände sei vor diesem Hintergrund nachvollziehbar, gehe jedoch zulasten eines etablierten universitären Standorts.
Diese beiden letzten Interviews wurden mehrfach vom Geschäftsführer des Hasso-Plattner-Instituts unterbrochen – diesen Einschätzungen stimme er nicht zu, sie seien falsch. Er betonte mehrfach, das Projekt stelle eine große Chance für die Universität Potsdam dar. Auch im späteren Einzelgespräch spiegelte er uns, dass er die Kritik nicht verstehe und in dem Projekt nur Positives sehe.
Der Demonstrationszug zog in den Veranstaltungsraum um und setzte den Protest dort fort. Zwischen und während Redebeiträgen wurden immer wieder Sprechchöre angestimmt, die die Spannungen zwischen Planenden und Kritiker:innen deutlich machten.
Was bei der Bürgerinformationsveranstaltung konkret vorgestellt wurde und welche Pläne Stadt, Universität und Stiftung für den neuen Campus verfolgen, könnt ihr hier in unserem ausführlichen Artikel zur Veranstaltung nachlesen.

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