“I got 99 Problems and the Patriarchy is all of them“ 

“I got 99 Problems and the Patriarchy is all of them“ 

Ein Beitrag von Cora Zabel

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Internationaler Frauentag, Frauenstreiktag, Frauenkampftag, feministischer Kampftag – der 8. März 2026 in Berlin 

Am Sonntagmittag gingen in Berlin rund 30.000 Menschen auf die Straße und zogen vom Oranienplatz bis zum Roten Rathaus. Der deutsche Gewerkschaftsbund, Verdi und andere Gruppen riefen zur größten Frauenkampftag-Demonstration in Berlin auf. 

Unter dem Motto „Feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“ demonstrierten die Teilnehmer:innen für Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit und gegen patriarchale Gewalt. Mit Schildern, wie „8. März ist jeden Tag“, „I got 99 Problems and the Patriarchy is all of them“,  „Remember where you came from“ und „Text me when you get home“, unterstrichen die Demonstrant:innen ihre Wut, ihren Ärger und das riesige Bedürfnis, laut zu werden. Sie protestierten gegen weltweite Phänomene wie die systematische Unterdrückung von Frauen, gegen die zunehmende Gewalt, die Stigmatisierung, den Sexismus. Denn, laut Einschätzung der UNO, hat aktuell kein Land der Welt die vollständige Gleichstellung von Frauen erreicht – ganz im Gegenteil: Wir erleben weltweit eher einen Rückwärtstrend. 

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die Anfang 2026 veröffentlicht wurde, bestätigt was viele Frauen in ihrem Alltag beobachten, erfahren oder auch auf Social Media, z.B. durch frauenfeindliche Influencer wie Andrew Tate, dessen Videos mehrere Millionen Likes und Aufrufe erhalten, gespiegelt bekommen: Gen Z Männer (1997–2012) vertreten demnach, im Vergleich der Altersgruppen aus allen 29 einbezogenen Ländern, die konservativsten und traditionellsten Vorstellungen zur Rolle von Frauen. 57% der befragten Gen Z Männer waren der Meinung, dass die Gleichstellung der Frauen bereits so weit fortgeschritten wäre, dass sie sich dadurch selbst diskriminiert fühlten. Auch 42% der Boomer Männer (1946 bis 1964stimmten dieser Aussage zu.  Fast jeder Dritte Gen Z Mann ist außerdem der Überzeugung, dass eine Ehefrau ihrem Ehemann immer gehorchen sollte. Im Vergleich: Nur 13 % der Babyboomer Männer teilten diese Ansicht.  

Wieso also stimmen die jungen Männer solch scheinbar veralteten Aussagen zu? Was würden die Generationen von Frauen, die einst für Gleichberechtigung demonstrierten, wohl zu der Rückkehr eines Klimas sagen, in dem frauenfeindliche Aussagen wieder salonfähig werden? 

Wofür kämpfen Frauen heute? 

Mit diesen entmutigenden Fragen und Zahlen waren auch die Frauen, die letzten Sonntag zu Zehntausenden auf die Straße gingen, konfrontiert. Lohnt sich das Kämpfen und das Demonstrieren überhaupt, wenn sich große Teile der Gesellschaft scheinbar nach einer Rückkehr zu „traditionellen“ Rollenbildern sehnen? 

Eine Teilnehmerin der Demonstration, eine 22-jährige Berliner Studentin der Sozialen Arbeit, betont, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten bereits vieles verändert habe und Demonstrationen Wirkung zeigten – denkt man etwa an das Frauenwahlrecht oder die freie Wahl des Arbeitsplatzes ohne Zustimmung des Ehemanns. Rechte, die heute für viele Frauen selbstverständlich erscheinen.  „Aber es hat sich eben nicht genug getan – vor allem nicht in der Gesellschaft und in den Köpfen der Männer“, sagt sie. „Wenn in Deutschland fast jeden Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wird, sind wir noch lange nicht da, wo wir sein wollen.“ 
Diese Einschätzung wird auch durch Zahlen des Bundeskriminalamts gestützt.  

Der Frauenkampftag heute, steht für viele Themen und Forderungen: Frauen demonstrieren für das Recht auf ein gewaltfreies Leben weltweit, für besseren Schutz vor der zunehmenden Gewalt gegen Frauen – in den Medien, im öffentlichen Raum und zu Hause. Sie protestieren gegen Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt, gegen die Gender Pay Gap und die Gender Health Gap – die ungleiche medizinische Versorgung und Forschung zum Nachteil von Frauen, da der männliche Körper in der Medizin häufig als Standard gilt. 

Doch dieser Tag steht inzwischen für mehr als nur Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Er ist auch ein Tag, an dem viele Menschen Haltung zeigen – für Demokratie, gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit. Die Demonstrationen werden jedes Jahr vielfältiger, bunter und inklusiver. Vielleicht zeigt genau diese Veränderung, was und wie viel in den vergangenen Jahrzehnten bereits für Frauen erreicht wurde, dass es Wirkung hat, auf die Straßen zu gehen, weltweit. Dass es wichtig ist, dass Frauen laut werden, ihre Stimme heben und nutzen, für die zu sprechen, die es nicht oder nicht mehr können, trotz aller Rückschläge und Gegenstimmen, gesellschaftlicher sowie politischer. Weiterzukämpfen – für alle Frauen, für alle Menschen. 

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