Warum Emerald Fennells „Wuthering Heights“ ein vielversprechendes Remake von Emily Brontës Originalwerk ist 

Warum Emerald Fennells „Wuthering Heights“ ein vielversprechendes Remake von Emily Brontës Originalwerk ist 

Ein Beitrag von Louisa Scholten

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Am Montag, den 23.02., entschied ich mich in den neuen Film „Wuthering Heights“ (2026) der britischen Regisseurin Emerald Fennell zu gehen – seit Erstausstrahlung im Februar 2026 ein absoluter Kassenschlager. Die Regisseurin hatte sich mit Werken wie „Saltburn“ (2023) und „Promising Young Woman“ (2020) bereits einen Namen gemacht.  Zu diesem Zeitpunkt wurde der Film schon kontrovers in den sozialen Medien diskutiert.  Rund um die Premiere ging es vor allem um die Looks der Hauptdarsteller:innen Margot Robbie und Jacob Elordi. Des Weiteren kursierte auf Instagram und Co. viel Content rund um die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, die als Liebespaar im Mittelpunkt des Films stehen. 

Vier sind zwei zu viel 

Der Film besticht durch die Beschreibung von tiefen emotionalen Beziehungen: Im Zentrum der Geschichte steht die Affäre von Catherine und Heathcliff, deren gemeinsame Kindheit in einer obsessiven Liebe endet. Die Geschwister Linton geraten als Ehepartner der beiden Hauptcharaktere in ein emotionales Kreuzfeuer. Obwohl es sich bei dem Film um eine Neuadaption von Emily Brontës „Wuthering Heights“ (1847) handelt, sammeln sich Kritiken, die sich von dem Film mehr Storyline inspiriert vom Originalwerk gewünscht hätten. So kritisiert etwa Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal, die Wahl von Jacob Elordi, einem weißen Schauspieler, für die Rolle des Heathcliffs. Im Originalwerk stehen neben Cathrines und Heathcliffs Jugendliebe nämlich nicht nur Cathrines Gefühls Verirrungen und ihr Wunsch durch eine Heirat ihren ärmlichen Umständen zu entkommen, sondern die Tatsache, dass Heathcliff schwarz ist und eine Beziehung der beiden aufgrund von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht möglich ist.  Im Film wird Letzteres gar nicht abgebildet. Sanyal fordert mit Nachdruck eine stärkere Repräsentation von People of Color. 

Ist das schon Kunst oder kann das weg? 

Es gibt auf dem Markt schon eine Verfilmung des Klassikers, welche sich näher am Originalwerk orientiert. Die Verfilmung von Andrea Arnold aus dem Jahr 2011, besetzt mit James Howson, einem schwarzen Schauspieler, als Heathcliff, ist mit Sicherheit eine originalgetreuere Erzählung. Jedoch stimme ich Anna Wollner, welche die aktuelle Verfilmung für den NDR kommentiert zu: Fennel “hat einen Klassiker genommen, ihn einmal durch den filmischen Fleischwolf gedreht und dabei selber einen Klassiker erschaffen.” 

Wie ihr das gelungen ist? Sie hat das spannendeste Element aus dem Originalwerk genommen: die zwischenmenschlichen Beziehungen. Daraus hat sie einen Film gemacht, der ähnlich wie andere Werke aus ihrer Feder erschreckend ehrlich, aber trotzdem wunderschön eine Geschichte über Beziehungen erzählt, die nicht nur die Aufmerksamkeit der Zuschauer:innen an sich zieht, sondern auch noch mit schönen Kostümen verpackt ist. Ein ähnliches Kunststück ist Fennell bereits in Saltburn gelungen, ein packender Thiller mit Barry Keoghan und Jacob Elordi in den Hauptrollen. In dieser Geschichte über Oliver und Felix verschwimmen die Grenzen zwischen Freundschaft und Obsession. Oliver, der eher aus ärmlicheren Verhältnissen kommt, ist von Felix in den Bann gezogen. Dieser scheint alles zu haben: Schönheit, Geld, Beliebtheit am College und eine adelige Familie. Berücksichtigt man also Fennels Filmografie, verwundert es nicht, dass sie sich in „Wuthering Heights“ eben genau diese Aspekte der Originalversion als Inspiration für eine ganz neue Adaption des Werkes geholt hat. Sie tut, was sie am besten kann: Geschichten über komplizierte Beziehungsdynamiken erzählen. Selbst Kritiker sollten hier zustimmen: dafür eignet sich Emily Brontës Roman wirklich perfekt.  

Robbie in der Rolle ihres Lebens? 

Anna Wollners Einschätzung, dass Robbie hier als „sadistischer Spaßvogel” in Szene gesetzt wird, kann ich nur zustimmen. Ihrer Beobachtung, dass für die Rolle der Cathrine keine andere Schauspielerin als Margot Robbie infrage gekommen wäre, die unter anderem zuletzt in ihrer Rolle als Barbie im Gedächtnis geblieben ist, würde ich ebenfalls zustimmen. Wollners Bewunderung für Robbie, kann ich mich nur anschließen, so lobt sie ihren Mut, „zur unsympathischsten Version ihrer selbst zu werden.“ Fennell führt einem vor Augen, dass Liebe, die mehr weh tut, als das sie heilt, Menschen in ihr Unglück stürzen kann. Als besonderer Plot Twist: In diesem Film wählen alle selbst ihr Unglück. Ähnlich wie leider oft in der realen Welt entscheiden sich Cathrine und Heathcliff gegen eine eventuell gesündere Beziehung mit Edgar oder Isabella, weil sie nicht voneinander loslassen wollen. Ich bin mir sicher: Das ist der perfekte Film für Paarpsycholog*innen! Fennell schafft es, vor allem anhand der Figur Isabella, zu zeigen, dass manche Menschen für ein Gefühl von Liebe und um nicht alleine zu sein viel Schmerz in Kauf nehmen. Ebenso erstaunt Edgars Entscheidung, Cathrine nicht zu verlassen, obwohl sie schwanger mit seinem Kind ist und trotzdem eine Affäre mit Heathcliff beginnt. Ähnlich wie in Saltburn beschreibt Fennel die Beziehungsdynamik mit einer gewissen Vulgarität. In einer Kulisse, die eher an einen Kriegsfilm als an eine Liebesgeschichte erinnert, zeigt Fennel: Es ist alles eine Frage der Entscheidung. 

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