Stanislav bleibt!

Stanislav bleibt!

Ein Beitrag von Oleg Klinke

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Befristeter Dozent spielt  
Personalrat-Joker aus

Das Sommersemester hat gerade begonnen, die Sonne scheint wieder über dem Campus und für viele Studierende gab es die wichtigste Nachricht direkt zum Start der Vorlesungszeit. Solche guten Nachrichten sind selten, aber sie kommen vor. Stanislav Klimovich bleibt! Er gilt, als einer der zentralen Pfeiler des Instituts. Seine Kurse haben nicht nur Studierende der Slavistik besucht, sondern auch Hörerinnen und Hörer aus allen Fakultäten der Uni Potsdam. 

Wie wir bereits berichtet haben, war die Ausgangssituation für Klimovich alles andere als komfortabel. Noch im Februar 2026 deutete vieles auf ein Ende der Zusammenarbeit hin. Als Reaktion auf das Aus haben die Studierenden Plakate gestaltet, eine Petition ins Leben gerufen und sogar eine Demonstration veranstaltet. Doch trotz dieses enormen studentischen Protestes schien es so, als müsse er seinen Posten am Institut für Slawistik zum Sommersemester räumen. 

Jetzt zum Semesterstart kam die überraschende Wende: Stanislavs Vertrag wurde um 12 Monate verlängert. Er bleibt! Kaum war die Tinte trocken und die Seminarräume wieder belegt, standen wir mit dem FSR-Slavistik in Kontakt und haben mit Stanislav persönlich gesprochen.  Wie kam es also zu dieser überraschenden Entwicklung? 

Ein juristischer Schachzug 

Eigentlich war die Sache klar: Ein befristeter Arbeitsvertrag läuft aus, die Stelle wird neu ausgeschrieben, das Auswahlverfahren läuft. Doch bei Stanislav gab es einen entscheidenden Joker, den viele nicht auf dem Schirm hatten.  
Denn gemeinsam mit seinem rechtlichen Beistand habe er nach juristischen Möglichkeiten gesucht, eine Verlängerung seines Arbeitsvertrages zu erwirken – und er ist fündig geworden. Neben seiner Beschäftigung als Dozent an der Uni, ist Klimovich Teil des Personalrates der Uni Potsdam. Durch diese entscheidende Variable genießt Stanislav einen Schutzstatus, der weit über den eines „normalen“ Arbeitnehmers hinausgeht. Den entscheidenden Hebel findet man im Brandenburgischen Personalvertretungsgesetz (PersVGBbg). 

Kern dieses Gesetzes ist das Benachteiligungsverbot. Da Personalräte ihrem Arbeitgeber oft kritisch gegenüberstehen müssen, darf ihnen daraus kein Nachteil entstehen.  Für Stanislav bedeutete das: Werden befristete Angestellte in den Personalrat gewählt, darf ihre Befristung nicht zum Nachteil ausgelegt werden. Die Universität durfte also die reguläre Befristung seines Vertrages nicht als rechtlichen Vorwand nutzen, um das Arbeitsverhältnis einfach auslaufen zu lassen. 

Als er von diesem Umstand erfahren habe, erfolgte eine zügige Reaktion: ein Antrag auf Verlängerung. „Du stellst einen Antrag und du weißt, dass es dauern, bis dieser von allen möglichen Instanzen gecheckt wird.“ Den Prozess dahinter beschriebt er ironischerweise als „Blackbox“. „Also, du packst etwas in die Pipeline rein und wartest, bis die Antwort kommt.“ Zwischenzeitlich haben die Studierenden weiterhin mobilisiert und über Instagram Stories gepostet, damit das Thema weiterhin präsent bleibt. 

Nach rund anderthalb Monaten, die Stanislav als „klassische administrative Stille“ beschreibt, lenkte die Universität ein und beschied den Antrag mit einem positiven Ergebnis – eine Anerkennung der rechtlichen Realität. 

War der Protest umsonst? 

In diesem Zusammenhang steht unweigerlich die Frage im Raum: War der wochenlange Protest der Studierenden im eisigen Winter also wirkungslos? Der FSR-Slavistik schreibt dazu in einem Instagram-Post: „Damit haben wir gemeinsam nicht nur bewirkt, dass Stanislav Dozent der Uni Potsdam bleibt […], sondern auch mehr als deutlich klargestellt, dass die Universität studentische Stimmen nicht konsequenzlos übergehen kann, nicht über unsere Köpfe hinweg Entscheidungen treffen darf, sondern mit uns kooperieren und uns dabei ernst nehmen muss […].“ 

Ob tatsächlich der Protest Einfluss auf die Entscheidung hatte, bleibt fraglich. Auch Stanislav ist sich unsicher: „Dazu habe ich keine verlässlichen Informationen, was genau ablief.“ Nichtsdestotrotz habe er das Gefühl, dass am Ende wahrscheinlich nicht nur die rein administrative Sache eine Rolle gespielt hat, sondern auch der im gesamten Prozess erzeugte politische Druck.  

Für die unermüdliche Unterstützung der Studierenden dankt er trotzdem: „Deswegen habe ich auch meinen Studis tausendmal Danke gesagt, dass sie mich in diesem Moment unterstützt haben.“ Auch wenn der Protest letztendlich nicht komplett ausschlaggebend für die Verlängerung gewesen sein dürfte, hatten die Aktionen zumindest einen massiven persönlichen Einfluss auf ihn. „Selbst wenn sie nicht die Uni überzeugt haben, dass es so sein soll“, erzählte er uns im Interview, „dann haben sie auf jeden Fall mich zu 120 Prozent überzeugt, dass alles dafür getan werden muss.“ Das habe ihm Mut und Kraft gegeben. „Wenn die Studis sagen, Stanislav bleibt, dann tut Stanislav alles dafür, dass Stanislav bleibt.“ Auch seitens des Personalrats habe er die nötige Unterstützung bekommen.  

Das Ende des Auswahlverfahrens 

Die Vertragsverlängerung löste zudem eine Kettenreaktion aus. Nur wenige Tage nach der Unterschrift, am 1. April, brach die Universität das bereits laufende, umstrittene Auswahlverfahren für Stanislavs Nachfolge ab. Was sich für ihn zunächst, wie ein Aprilscherz anfühlte, entpuppte sich als Realität. Da Stanislav nun auf der Stelle bleibt, ist diese schlichtweg nicht mehr „frei“. 

Eine (un)gewisse Zukunftsplanung 

Eine tiefe Erleichterung ist auch bei den Studierenden zu spüren.  Die Bachelorarbeiten können jetzt in Ruhe angefertigt werden und die Semesterplanung ist auch gerettet.  

Für Klimovich selbst heißt es jetzt erst einmal sein. Lieblingsseminar „Wirtschaft und Gesellschaft Russlands“ leiten zu dürfen, auch wenn der Druck jetzt größer ist. „Vor allem durch diese ganze Aufmerksamkeit muss man ein bisschen besser performen als sonst. Also man muss sich jetzt etwas einfallen lassen, damit das Seminar noch spannender ist.“ 

Wie seine Zukunft aussehen wird, beschriebt er pragmatisch und mit einem Augenzwinkern: „Alles kann. Nichts muss.“  Eine Lehre hat er aus den letzten Monaten aber definitiv mitgenommen: tiefen Respekt vor der Studierendenschaft. Das Klischee der unpolitischen Studierenden habe sich nicht bewahrheitet.  
„Dieser Winter hat mir gezeigt, dass es genau das Gegenteil sein kann. Wenn irgendwann das Fass überläuft, können sich die Studierenden extrem schnell politisch mobilisieren und kreativ vorgehen.“ 

Auch wenn jetzt ein positiver Ausgang und Erleichterung bei den Beteiligten herrscht, bleiben doch einige Fragen offen: Was wird aus dem Studiengang Interdisziplinäre Russlandstudien (IRS)? Welche Lehren werden der FSR Slavistik und das gesamte Institut ziehen und wie wird die gesamte Stimmung für das nächste Jahr sein? All diese Fragen werden möglicherweise erst in einem Jahr beantwortet werden. Bis dahin heißt es für Klimovich, den Studiengang zu begleiten und weiterzuentwickeln – auch wegen der Studierenden! „Aufgeben ist keine Option.“ Denn am Ende zahle sich das Durchhalten langfristig aus. 

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