Mit Musik kann man bewegen, ausprobieren und anregen, mehr den Moment zu genießen. Was haben also der Auftritt der Band Cool Aid am Campus Festival und die aktuelle Situation innerhalb der Musikbranche damit zu tun? Ein Kommentar von Anna-Lena
Für die, die sich beim Campus-Festival mit etwas Musik begnügen durften, müsste der Auftritt der Band Cool Aid etwas sagen: Ein bisschen groovig, ein bisschen crazy und der Einklang mit Jazz und souligem Flair durfte auch nicht fehlen. Was man sagen kann: Ja, die Band hat Range. Und das macht sie gerade so besonders.
Es ist klar, dass der technische Umschwung in jeglichen Bereichen uns nicht umgeht. KI ersetzt uns, heißt es. Vor allem in der Musikbranche im Nutzen von KI-Applikationen, dem Kursieren von fraglichen Artists auf Social Media oder dem Einsatz von “ABBAtars”.
Umso trauriger ist es, dass sich am Ende des Konzerts bei Sonnenuntergang, umgeben von den antiken Strukturen des Neuen Palais, Frontman Max der Band Cool Aid für das Genießen ihrer Live-Musik bedankt. Und das ist gerade das etwas Deprimierende, wenn man überlegt, dass man sich noch vor 50 Jahren mit Kassetten beschäftigte und es gerade das Live-Konzert war, wo man sich nicht nur mit der Musik, sondern auch mit dem Künstler:in oder der Band verbunden fühlte.
Natürlich reden wir momentan über steigende Ticketpreise von Konzerten und teilweise die Mühe, um überhaupt an Konzertkarten von gefragten Artists zu kommen. Aber ganz im Hintergrund entwickelt sich hier auch gerade der Umschwung, sich ein bisschen auszuprobieren, kreativ zu sein.
Hierbei sticht vor allem der Einsatz der Band von Synth Sounds heraus, was an Praktiken der New Wave Bewegung erinnert. Oder der Austausch zwischen Aubrey und Max als Geschichtserzählung im Blues Stil, was die bewegende Kraft von Ikonen wie B.B. King ins Gedächtnis ruft. Auch der Aufruf zum Support von lokalen Bands und das Aufkommen von mehr urbanen Sounds als das, was herausstechen und neue Bewegungen kreieren wird.
Dazu identifiziert sich die Band über das Genre “Newtro”. Klarer ausgedrückt: eigene Interpretationen von bereits vorhandenen Stilen zu schaffen. Die schrillen Einlagen vom Frontmann, der starke Auftritt von Frontsängerin Aubrey und die Indie-Rock-Sounds der E-Gitarre. Auch die Garage-Rock typische Einlage am Ende, welche gerade an das erinnert, was diesen alternativen Stil in den 80er und 90ern so ausmachte. Man hatte es satt von Kommerzialismus. Junge Menschen, die Zugang zu einem Instrument hatten, taten sich zusammen und gaben schrille Sounds von sich, probierten sich aus, ergänzten sich und hatten Spaß. Nicht alles war dabei perfekt, gar polished.
Genau das macht Musik besonders. Spaß zu haben, Geschichten zu erfinden und sich irgendwie zugehörig zu fühlen. Ganz cool eben. Dadurch war es an diesem Abend sicherlich ein Hörerlebnis, das für jede Musikgenießer:innen und Schaffende neue Inspirationen bot.

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