„Wenn ich auf einen Außerirdischen treffen würde, würde ich ihn nicht danach fragen, nach welchen physikalischen Regeln er lebt, sondern danach, welche Märchen er seinen Kindern vorliest, welche Bilder er malt – aber vor allem, welche Musik er spielt.“
Kaum hat der vielfach ausgezeichnete Astrophysiker und Fernsehmoderator Harald Lesch diesen Gedanken ausgesprochen, setzt Alexandra Grubers Klarinette ein. Literatur, Wissenschaft und Musik treten in einen Dialog und geben den Ton des Abends an. Auf der Open-Air-Bühne des Hans-Otto-Theaters interpretierten die beiden Freunde am vergangenen Sonntag im Rahmen von LIT:potsdam den Roman Umlaufbahnen der britischen Autorin Samantha Harvey.
Der Roman wurde mit dem Booker Prize 2024 ausgezeichnet und begleitet sechs Astronautinnen und Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation. Während sie die Erde in immer gleichen Umlaufbahnen umkreisen, täglich sechzehn Sonnenauf- und- untergänge beobachten und ihren Alltag miteinander teilen, verändert sich ihr Denken und Fühlen. So weit von ihrer Mutter Erde entfernt, fühlen sie sich mit ihr stärker verbunden als je zuvor. Aus der Distanz beginnen sie , sich die großen und kleinen Fragen der Menschheit zu stellen und sich zu fragen, was die Erde und die Menschheit ohneeinander wären. Umlaufbahnen ist somit ein Roman voller kosmischer Schönheit, existenzieller Fragen und leiser Hoffnung.
Lesch las ausgewählte Passagen mit der ihm eigenen Leichtigkeit und ergänzte sie immer wieder mit seinen persönlichen Gedanken, spannenden Hintergrundinformationen und einer guten Portion Witz. Immer wieder wurde gemeinsam gelacht, zustimmend genickt oder einfach andächtig gelauscht. Besonders dann, wenn Grubers Klarinettenspiel auf Leschs Passagen antwortete und die Schwerelosigkeit des Romans musikalisch einfing.
Einen besonderen Gastauftritt hatte auch das stürmische Wetter an jenem Abend. Durch die hervorragende Spontanität vor Ort sowie den lockeren Charme von Lesch und Gruber wurde der Wetterumschwung jedoch weniger als Störung, sondern vielmehr als unerwarteter, oft humorvoller Gast des Abends aufgenommen.
Die Lesung zeigte, wie selbstverständlich sich Literatur, Musik und Wissenschaft ergänzen können und dass sie nicht voneinander getrennt stehen müssen. Gerade in ihrer Verbindung eröffnen sie neue Perspektiven und spannende Zugänge, wie auch Harvey in ihrem Roman Umlaufbahnen. Mit Spannung und Vorfreude darf man daher auf das Motto des kommenden Programms 2027 blicken.
Bildquelle: ZDF, Johanna Brinckman;
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