Vom bewachten Rand der DDR zum offenen Tor der Universität
Zwischen Villen und Wasser, am Rande des Babelsberger Parks, liegt heute einer der bedeutendsten Standorte der Universität Potsdam: der Campus Griebnitzsee. Die Geschichte dieses Orts, wo Studierende heute über Recht, Wirtschaft und Politik lernen, begann als Lagerstätte des Deutschen Roten Kreuzes und war über Jahrzehnte von militärischen und politischen Umbrüchen geprägt.
Bereits 1869 richtete das Zentralkomitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz (ab 1921 das Deutsche Rote Kreuz (DRK)) das sogenannte „Centraldepot Neubabelsberg“ ein. Es diente als Hauptlager für Hilfsgüter und medizinische Materialien.
Die Häuser 2 und 3 wurden als Wohn- und Bürogebäude genutzt. Im Zuge der Kriegsvorbereitungen 1938 entstanden weitere Bauten, unter anderem Haus 5 als Bekleidungslager.
Geplant war zudem, das Präsidium des DRK, das bislang in Berlin ansässig war, in unmittelbarer Nähe des Hauptlagers unterzubringen. Anfang 1943 wurde daher Haus 1 als neues Verwaltungsgebäude fertiggestellt. Doch das Ende des Zweite Weltkriegs setzte dieser Entwicklung ein Ende: Im April 1945 besetzte die sowjetische Armee das Gelände, und im September 1945 ordnete die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die Auflösung des DRK in der sowjetischen Besatzungszone an.
Nach 1945 blieb das Areal zunächst unter Kontrolle der sowjetischen Besatzungsmacht und war für die Zivilbevölkerung unzugänglich. Erst 1952 übergab die sowjetische Armee das Gelände und die „Deutsche Verwaltungsakademie Walter Ulbricht“ zog ein. Schon ein Jahr später wurde sie mit der „Zentralen Richterschule“ zur „Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft Walter Ulbricht“ (DASR) zusammengelegt. Hier wurden bis 1989 die Leitungskader für den DDR-Staatsapparat ausgebildet – ein Ort also, an dem die politische und juristische Elite des sozialistischen Systems geformt wurde.
Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 verwandelte sich das Akademiegelände in ein abgeschottetes Territorium. Teile des Babelsberger Parks wurden zum Grenzgebiet erklärt, und am Griebnitzsee verlief der Todesstreifen unmittelbar entlang der Gebäude.
Der nahegelegene Bahnhof Griebnitzsee war ein streng bewachter Grenzbahnhof, der durch eine Mauer vom Akademiegelände getrennt war. Zutritt hatten nur Mitarbeitende und registrierte Gäste.
Nach dem Tod Walter Ulbrichts im Jahr 1973 erhielt die Einrichtung den neuen Namen „Akademie für Rechts- und Staatswissenschaft der DDR“ und mit Ende der DDR schließlich den Titel „Hochschule für Recht und Verwaltung“ (ab 1990).
1991 wurde die Universität Potsdam als Rechtsnachfolgerin der Brandenburgischen Landeshochschule gegründet. Der Fachbereich Rechtswissenschaft wurde am Griebnitzsee als Juristische Fakultät etabliert und auch die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften fanden am Griebnitzsee ihre Heimat.







