Städtebauliche Varianten zum Campus Brauhausberg

Städtebauliche Varianten zum Campus Brauhausberg

Ein Beitrag von: Shannon Bohacz

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Zwischen Gästeliste und Demo gab es am 29.01. im Haus 6 am Campus Griebnitzsee einen seit Juni ersehnten ersten Einblick in die Planung des neuen Campus auf dem Brauhausberg. Zusammen mit der Universität Potsdam und der Hasso Plattner Foundation teilte die Landeshauptstadt Potsdam erste Informationen zu dem geplanten vierten Campus der Uni Potsdam.

Der Abend war als „Zwischen Bürgerinformationsveranstaltung“ vorgesehen, was als Einladung an die Öffentlichkeit verstanden werden könnte. Dass große Teile des H04 für die Gästeliste reserviert waren und unangemeldete Bürger sich mit vollem Namen in Listen eintragen mussten fühlte sich allerdings weniger einladend.  Noch 10 min vor Veranstaltung war der Hörsaal halbvoll und wirkte, dafür dass es um einen neuen Universitätscampus gehen sollte, sehr grauhaarig. Erst kurz vor Beginn trafen doch noch einige Student:innen ein.

Niemand will den Brauhausberg?

Eine kurze Einführung in den Abend gab es noch, dann sollte Hendrik Woithe der Kanzler der Universität Potsdam sprechen. Ihm kam jedoch eine Gruppe Student:innen zuvor, die mit Bannern in den Händen plötzlich in der Mitte des Saals von ihren Plätzen aufstanden. Mit der Parole „Auch wenn’s Hasso nicht mehr merkt, niemand will den Brauhausberg!“, stimmten nun sie, statt den Rednern, auf den Abend ein.

Die Veranstalter kamen dann doch noch zu Wort. Woithe erklärte, der Abend sei für den Austausch da und auch um Kritik zu äußern. Aber bitte konstruktive Kritik! Die Planung stehe noch in der Anfangsphase, sodass jetzt besonders gut Einfluss auf das Projekt genommen werden könne.

Märchen vom Standort Potsdam

Dr. Herbert Heitmann erklärte als Vertreter der Hasso Plattner Foundation, dass der Bau eines vierten Campus am Brauhausberg eine einmalige Chance, sei, die man nutzen müsse. Es sei Ziel des Vorhabens, dem Hasso Plattner Institut (HPI) am Griebnitzsee mehr Platz zu verschaffen. Von dort aus solle das HPI entscheidend in Sachen KI mitmischen. Man wolle Potsdam als Standort global etablieren, um Talente aus der ganzen Welt anzuwerben.

Mit der Idee auf dem Brauhausberg einen neuen Campus zu errichten, sei Manja Schüle (SPD, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg) an die Stiftung herangetreten. So habe sich zufällig eine Lösung für das Platzproblem aufgetan.

Schon fast märchenhaft mutete es dann an, als Heitmann erzählt es fühle sich an wie Schicksal. Bei seinem ersten Besuch in Potsdam nach der Wende habe Plattner vom Brauhausberg auf die Stadt heruntergesehen. Dort entschied er sich, die Stadt, welche er zuletzt in seiner Kindheit besuchte, wieder zu einem Zentrum von Kultur und Bildung zu machen.

Auf dem Weg vom Berg herunter habe er sich dann überlegt der Stadt eine Universität zu stiften. Als er erfuhr, dass sich in Potsdam bereits eine Uni gegründet hatte, kam ihm stattdessen die Idee für ein Institut.

Zwischenruf wie „Bullshit“ und gelegentliches Gelächter zeigten, dass einige Student:innen im Publikum die Erzählung doch eher für eine Märchen hielten.

Alle guten Dinge sind drei

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden insgesamt drei mögliche Bauvarianten des neuen Campus vorgestellt. Das Büro Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht, hat schon Projekte wie den Ausbau des Museum Barberini unter dem Gürtel, und wurde von der Hasso Plattner Foundation beauftragt, auch den Campus auf dem Brauhausberg zu planen.

Alle drei Varianten ähnelten sich im Grundaufbau sehr. Die zuständigen Architekten erklärten aber, dass es entscheidende Unterschiede gebe, wie viel Bodenfläche bedeckt ist, und wie das Profil der Neubauten wirken würde.

In den Neubauten soll unter anderem eine neue Mensa mit 150 darüber gelegenen Wohnheimplätzen entstehen. Außerdem soll eine neue Bibliothek gebaut werden und neue Hörsäle und Seminarräume geschaffen werden. Dabei soll auch ein Hörsaal mit bis zu 1000 Plätzen entstehen.

Die Verwaltung der Universität und die Räume der Fakultäten sollen dagegen zu einem großen Teil in den Altbau ziehen. Dieser biete sich als Bürogebäude an. Optisch wolle man den Blick von der Stadt aus auf den Brauhausberg priorisieren und die grüne Bergkuppe und den Altbau erhalten.

Einen genauen Flächennutzungsplan, für die Fläche von 23.500 qm soll bis zum nächsten Jahr feststehen.

Ein nachhaltiger Campus

Sowohl die Uni, die Stiftung und das beauftragte Architekturbüro betonten immer wieder, dass Nachhaltigkeit eine besondere Priorität für das Projekt sei. Tatsächlich wurden auch ein paar Ansätze vorgestellt, wie das Integrieren von Solarpanelen in die Neubauten und der Erhalt von Grünfläche.

Das mutet dennoch ironisch an, insbesondere da auf dem Campus am Griebnitzsee für die Forschung an und Entwicklung von KI Platz geschaffen werden soll. KI hat bekanntermaßen keine besonders gute Umweltbilanz. Abgesehen von Emissionen, verbrauchen die dafür benötigten Rechenzentren exorbitante Mengen an Wasser und Fläche. Auch wenn es nicht möglich ist, solche Rechenzentren in Potsdam zu bauen, scheint Umweltschutz hier nur vor der eigenen Haustür eine Priorität zu sein.

Der neue Campus entsteht außerdem auf einem Grundwasserschutzgebiet. Auf mehrfache Nachfrage, wie dies im Bau berücksichtigt werden solle, gab es keine konkreten Antworten. Die Planung befinde sich noch in ihren Anfängen und konkretere Informationen würde man erst noch durch Gutachten einholen müssen. Es bleibt bis zur genaueren Planung also offen wie z.B. der Bau einer Tiefgarage damit vereinbar ist.

Bus statt Gondeln?

Trotz fußläufiger Entfernung vom Hauptbahnhof soll der neue Campus am dem ÖPNV angeschlossen werden. Mit der von vielen Seiten scherzhaft vorgeschlagenen Gondel wird es zwar nichts, aber es soll eine neue Buslinie geben. Der neue Campus soll grundsätzlich Auto-arm geplant werden. Da trotzdem Stellplätze bereitgestellt werden müssen, sei die Tiefgarage eine erste Idee, um das platzsparend zu erreichen.

Auf Nachfrage von Anwohnern, wie die „etwas marode“ Albert-Einstein-Straße, die zum Gelände führt, für den Busverkehr und die Nutzung von Baufahrzeugen ausgebaut werden soll, gab es ebenfalls keine konkrete Antwort. Man wolle den Verkehr minimieren, und man müsse abwägen.

Wohnen und Wohnen lassen

Erik Wolfram aus dem Fachbereich Stadtplanung der Stadt Potsdam erklärte, dass neben den 150 Wohnheimplätzen auf dem neuen Campus weitere 350 Plätze in der Stadt entstehen. Man wolle damit eine Unterbringungsquote von 15% der 20.000 Student:innen an der Uni Potsdam erreichen. Momentan liegt sie bei 10%.

Auf wiederholte Nachfrage, von Student:innen wie 500 neuen Wohnheimplätze einen Anstieg von 5 Prozentpunkten erreichen würden, wurde auf Bauvorhaben des Studierendenwerkes verwiesen. Dieses plane bis zu 800 zusätzliche neue Wohnheimplätze, da keine Vertreter des Studierendenwerkes anwesend seien, könne man dazu aber nicht mehr sagen.

Außerdem soll das Wohnheim am Griebnitzsee erhalten bleiben. Auf ebenfalls wiederholte Nachfrage der Student:innen ob das zugesichert werden könne, gab es keine klare Antwort: das Studierendenwerk befinde sich in Verhandlungen, man plane allerdings das Wohnheim zu erhalten.

Mitgestaltung und Zusammenarbeit

Merkbar war aber auch: die Veranstalter waren nicht vorbereitet, auf die Sorgen von Student:innen und Anwohnern einzugehen. In den Fragerunden würden Student:innen und Potsdamer:innen regelmäßig unterbrochen und abgewimmelt.

Die Fragen wurden oft auch nur floskelhaft beantwortet: Man sei noch in den Anfängen der Planung. Man wolle nur Fragen zu dem bisherigen Stand der Planung beantworten, und nicht zum weiteren Verlauf. Vorschläge könnten später an den im Foyer stehenden Pinnwänden angebracht werden, jetzt sei es Zeit wolle man nur Fragen beantworten. Vorschläge, Wünsche und Ideen seien außerdem durch Bürgerinitiative und Studentischen Ideenwettbewerb eingebracht wurden.

Während die Veranstalter von Mitgestaltung am Projekt sprachen, wurde deutlich, dass es vielen Student:innen eher um die fehlende Zustimmung der Studierendenschaft zu Beginn der Planung im Juni letzten Jahres ging. Auf Nachfrage eines Mitglieds des Studierendenparlaments wurde erklärt, dass man mit dem Asta und den Fachschaften in Kontakt stünde, um Wünsche und Bedürfnisse der Studis zu beachten.

Der Zwischenruf „Ich will hier (am Griebnitzsee) bleiben“ ist wohl kein solches Bedürfnis.

Ein gespaltener Abend

Im Laufe des Abends zeigte sich, dass viele der anwesenden Student:innen sich generell damit unwohl fühlen, dass das Projekt in so großem Ausmaß in der Hand einer privaten Stiftung liegt. Ein mulmiges Gefühl bezüglich der Privatisierung von Bildung zu haben, ist sehr nachvollziehbar. Durch die gestellten Fragen und viele Zwischenrufe zeigte sich auch, dass viele Anwohner diese Sorge bezüglich ihrer Stadt teilen.

Die Stiftung und Uni betonten dagegen, dass es ja nicht um Privatisierung ginge, da das Studieren an der Uni und am Institut kostenfrei sein. Auf Nachfrage wurde aber klargestellt das Betriebs- und Instandhaltungskosten des Campus, dessen Bau auf Wunsch einer privaten Stiftung initiiert wurde, am Land und damit am Steuerzahler hängen bleiben. Dazu seien aber Gelder im Haushalt vorgesehen.

Sehr tröstend wird das für die meisten Student:innen nicht gewesen sein. Es gibt schließlich kein Geld im Haushalt gibt für die bessere Bezahlung von Studentischen und nicht Studentischen Mitarbeitern an Unis und Hochschulen oder einer Vielzahl an Forderungen, die tatsächlich seit Jahren gestellt werden.

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